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Archive for Dezember 2010

Capriccio – 17.12.10

„Komm ein bisschen mit nach Italien, komm ein bisschen mit, weil sich das lohnt…“ Den Rat von Caterina Valente haben wir befolgt. Mit viel Glück bekamen wir in der Vorweihnachtszeit an der Ecke vom Großneumarkt im Restaurant Capriccio den letzten Tisch. Das Capriccio (GoogleMaps) hat den Look eines klassischen Italieners, von denen es einige in Hamburg gibt. Aber das Restaurant bietet das gewisse Etwas. Und zwar nicht nur hervorragende italiensche Küche und Weine oder eine elegante Wandvertäfelung in dunklem Holz, eine Bar in der Mitte des Restaurants oder ein überlebensgroßes Bild von Sophia Loren, sondern eine ganz besonders familiäre Atmosphäre in der Hamburger Neustadt.

Die charmante Begrüßung von dem Padron Vittorio inklusive der richtigen Zuordnung zu dem bereits wartenden Teil unsere Gruppe war schon mal ein schöner Einstieg. Umgehend standen grüne Oliven mit frischen Kräutern und einem köstlichen Olivenöl samt knusprigen Ciabatta auf dem Tisch. Allora, ein kurzer Blick in unsere Runde und der Padron Gino brachte uns den Barolo des Südens und zwar einen Rotwein aus der Aglianico-Traube. Nach der Aufklärung von Padron Gino wurde sie vor über 2500 Jahren von den Griechen eingeführt und gilt als eine der besten Rebsorten Süditaliens. Nachdem wir alle den Rotwein von dem Weingut Terredora aus Kampanien probierten und den Padron Gino nach dem ersten Schluck anstrahlten als wäre er der Weihnachtsmann höchstpersönlich, ließ er auch zufrieden die Flasche für 22,50 Euro an unserem Tisch stehen.

Schnell füllten sich die Tische im warm beleuchteten Raum und mit uns freuten sich eine kleine Hochzeits-gesellschaft und ein gut gelauntes Publikum auf einen schönen Abend. Dem gelungenen Auftakt folgte in Windeseile eine geschmackliche Offen-barung. Die Variationen vom Bruschetta für 4,50 Euro mit Tomaten und hausgemachtem Basilikumpesto waren köstlich und das Carpaccio für 9,50 Euro war einfach wunderbar zart und mit frischem Rucola und echtem Parmesan abgestimmt. Wie bei Mamma schmeckten die Parpardelle in Tomatensauce und zarten Rinderfiletspitzen für 9,50 Euro. Über den Tellerrand hinaus ragte die herrlich aromatische Pizza mit Büffelmozzarella und sizilianischen Kirschtomaten für 8,50 Euro. Aber auch die Fettuccine mit frischem Lachs und Minzaroma für 8,50 Euro verdienen eine Lobeshymne. Das Tiramisu für 4,00 Euro war bestimmt keine Wohltat für unsere Hüften, aber eine grandiose Wohltat für unseren Gaumen. Insgesamt beeindruckte uns die Kochkunst, mit dem hier einfache Zutaten ohne viel Chichi in feine und deswegen so schöne Geschmackserlebnisse verwandelt werden. Und auch als wir vor lauter Begeisterung ein Weinglas zerschepperten, bekamen wir von dem Bartender keinen Termin beim Paten im Hinterzimmer sondern ein entspanntes „Passiert“. Zum Ausklang servierte unser Cameriere noch ein Glas Averna auf Kosten des Hauses. Allora, danach hieß es für uns Abschied zu nehmen, zur Krönung des Abends stellten sich die Signore des Capriccios wie der Blitz in Spalier auf und entließen uns mit einem beschwingtes „Ciao, Ciao!“

Die Padrone Vittorio und Gino haben hier ein Refugium geschaffen, das dem italienischen Dolce Vita alle Ehre macht. Viele Stammgäste kommen seit der Eröffnung vor rund einem Jahr immer wieder. Und falls einfache Gäste wie wir einen Tisch bekommen, werden sie genauso verwöhnt als wären sie Sophia Loren in Begleitung von Caterina Valente. 

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Le PaqueBot ist geschlossen!

 (Quelle: Welt online vom 17.Mai 2011)

Le Paquebot haucht der Franzose, wenn er einen Passagierdampfer à la Queen Mary meint. Der Name passt, denn das Interieur eines Luxusliners im schlichten Art Déco Design spielt in diesem Restaurant am Thalia Theater eine Hauptrolle. Auf den weiß gedeckten Tischen flackern Kerzen, charmante Kellnerinnen geben kompetente Weinempfehlungen und lassen ansonsten die Finesse der Cuisine wirken. Die Küche bietet saisonal-regionale Zutaten mit international-französischer Ausrichtung. Im Le Paquebot (GoogleMaps) treffen sich Geschäfts-leute, Shopaholics und das Ensemble samt Publikum des Thalia Theaters vor und nach dem letzten Akt.

Unsere kulinarische Kreuzfahrt begannen wir mit Frankreich begleitet von Steaks, es folgte Italien mit Tagliatelle und zum Ende ging es in den Heimathafen Hamburg mit einer Gänsekeule. Die flinke Kellnerin empfahl einen Cabernet, dessen fruchtige Note hervorragend mit dem Steak harmonierte. Das 200g Rump-steak für 15 Euro war ein wenig zäh, aber dennoch von guter Qualität und mit einer delikaten Kräuterbutter, knusprigen Pommes frites und einem frischen Salat gekonnt zubereitet. Einwandfrei waren die Tagliatelle mit gebratenen Scampis in Krustentiersauce für 13,50 Euro. Am stilvollsten war jedoch die Gänsekeule aus den Vierlanden für 15 Euro, die in der Verbindung mit Rotkohl, Kartoffelknödel und Majoransauce ein feines Geschmackserlebnis ergab. Dagegen hat zwischendurch der Kakao unter der Sprühsahne etwas gelitten. Die Zugabe in Form der Desserts wurden zwar  nicht wie auf dem ZDF-Traumschiff mit Wunderkerzen von den schmucken Köchen reingetragen, dennoch waren die Crème Brûlée mit Bourbon Vanille für 4,50 Euro und das hausgemachte Orangensorbet für 2,50 Euro eine gelungene Darbietung.

Das Le Paquebot nimmt seine Gäste mit auf eine kulinarische Kreuzfahrt über die Ozeane dieser Welt. Von früheren Übersee-Stationen gibt es beispiels-weise Gerichte wie Thunfischsteak mit Baby-Pak Choi, Kräutersaitlingen, Tomatenrisottto und Wasabi-schaum. Doch die Köche des Le Paquebot sind auch den norddeutschen Häfen verbunden, so findet der Gast auch den traditionellen Grünkohl mit Kochwurst und Kassler auf der Karte wieder. Tagsüber wird zusätzlich ein 2-gängiges Menü für 11,70 Euro serviert und im Sommer lädt die Terrasse auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz zum Genießen ein. Somit ist das Le Paquebot (GoogleMaps) für uns ein angenehm unaufgeregter Franzose, der gern auf Reisen geht.

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Das Imperial Theater  auf der Reeperbahn ist seit Jahren eine sehr erfolgreiche Krimibühne und zeigt von spannenden Klassikern bis zu Krimikomödien alles, was das Herz eines Krimifans begehrt. Fester Bestandteil des Programms sind Stücke von Edgar Wallace und Agatha Christie wie „Die seltsame Gräfin“, „Der schwarze Abt“ oder „Die Mausefalle“. Zusätzlich gastiert das Ensemble des Imperial Theaters fast jeden zweiten Sonntag direkt gegenüber vom Hamburger Hauptbahnhof im Krimi-Salon des Maritim Hotel Reichshof (Google Maps). Während ein Vier-Gänge-Menü zwischen den Akten serviert wird, sitzen die Schauspieler mit am Tisch und unterhalten auf humorvolle Art und Weise die Gäste.

Der Abend begann um 18 Uhr mit einem Sektempfang in der Lobby des Hotels. Danach wurden wir in den Speisesaal geführt und an unserem Tisch mit Namenskärtchen platziert. In unserem Fall spielt die Story „Serienmörder“ in dem New Yorker Penthouse von Hugh Forsyth dargestellt von Janis Zaurins, dessen Erscheinungsbild zuerst an Hape Kerkeling erinnerte. Mit Hilfe des fettfreien Puddingpulvers ist der exzentrische Millionär reich geworden. Er ist der Sponsor der Seifenoper „Kerzen im Wind“ und lud sein Ensemble und uns zu einem Dinner ein. Nach seiner außergewöhnlich rührenden Begrüßungsrede und dem ersten Glas Roséwein trafen nacheinander die illusteren Darsteller der Seifenoper „Kerzen im Wind“ ein und nahmen Platz. Wir hatten die Ehre mit dem charismatischen Dr. Bassiter an einem Tisch zu sitzen.

Es dauerte nicht lange und an unserem Tisch gab es den ersten Szenenapplaus für Jessica Neumann, die auf herzzerreißende Weise die schmachtende Assistentin Mrs.Collins mimte und Jens Andresen alias Dr. Bassiter, welcher die amourösen Annäherungsversuche von Mrs. Collins beherzt erduldete. Das traute Beisammensein wurde empfindlich durch den Mord an der herrlich fiesen Mrs. Gardiner, dargestellt von Natascha Grüttner, gestört. Aber davon ließen wir uns den Appetit nicht verderben. Der Jahreszeit entsprechend wurde uns ein weihnachtlichtes Menü zwischen den Akten serviert:

1. Kleines Linsentimbale und Linsensalat mit Gänseleber an Mostbirnen-Essig 2. Klare Geflügelconsommé mit Backpflaumen 

       3. Gänsebraten „Classic“ aus dem Ofen mit gefülltem Apfel,
Rotkraut und Kartoffelkloß

4. Warmes Gewürzsoufflé mit Cranberry-Eis und weißer Zimtsoße

Der Roséwein Eichstetter Herrenbuck, Spätburgunder Weißherbst 2008 aus Baden und der Rotwein Château Lamargue, Costières de Nîmes 2005 aus dem Languedoc Roussillon vervollständigten den exquisiten Leichenschmaus. Und die Qualität des Services stand um nichts nach! Das Personal schenkte unaufgefordert Wein nach und brachte Brot, wenn es zur Neige ging, servierte perfekt auf und ab und blieb stets unaufdringlich.

Auch der nostalgische Charme des Speisesaals regte unsere Fantasie an. Nicht nur das Art Déco Interieur, sondern auch die feudalen Kronleuchter versetzten uns in die glamouröse und knallharte Welt des amerikanischen Show Business. Mit viel wohltuenden Wein und standesgemäßen Delikatessen kamen wir der Wahrheit über die Ermordung von Mrs. Gardiner näher. Vor dem vierten Gang wurde der Mörder gefasst und nach der sensationellen Auflösung belohnten die Gäste das Ensemble des Imperial Theaters mit großem Beifall und stehenden Ovationen.

Die Schauspieler zeigten uns die sympathischen Abgründe ihrer Charaktere und machen das einfache Stück so zu einem spannenden Katz-und-Maus-Spiel. Neben den witzig-pointierten Wortgefechten zwischen den Darstellern stimmen auch die Kostüme im Stil der 70iger Jahre. Anerkennung gebührt auch Roland Kieber alias Sheriff Dan Markham, welcher die Rolle brillant spielte und unheimlich gut in den Sheriff-Kostüm aussah und selbst als wir ihn nach dem Stück als den coolen Melitta-Mann geoutet haben, blieb er immer noch cool!

Im Preis von 89 Euro waren neben dem Mordsspaß, das Menü mit passenden Weinen sowie Wasser und Kaffee inklusive. Die Küche, der Service und das Ensemble verdienen gleichermaßen Applaus. Wir verbeugen uns vor allen Beteiligten, die an der genialen Kombination aus Hochspannung und Hochgenuss mitwirkten. Denn eine Tatsache ist todsicher, bisweilen haben wir uns noch nie so köstlich bei unserem Weihnachtsessen amüsiert!

 

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