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Archive for August 2011

Also man kann ja viel von Cornelia Poletto behaupten, aber man muss zugeben, dass sie einen ausgeprägten Geschäftssinn hat. Ihre aktuelle Geschäftsidee ist ein italiensches Delikatessengeschäft mit offener Küche. Dieses Gastronomie-projekt hat sie seit Juni 2011 im gut betuchten Hamburg-Eppendorf realisiert. Die Zeitschrift Prinz, das Hamburger Abendblatt vom 30. Juli 2011 und die beiden Herren vom Feinschmecker, welche vornehmlich gepfefferte Restaurant-Verrisse in der BILD-Zeitung schreiben, sind begeistert.

Allerdings ist die Idee in Hamburg nicht ganz neu. So führt beispielsweise die sizilianische Sterneköchin Anna Sgroi neben ihrem Restaurant Sgroi im Hamburger Stadtteil St. Georg auch einen Feinkostladen.

In Hamburg-Eimsbüttel hat sich Trattoria Fadda mit seinem Feinkostgeschäft etabliert, welches Lebensmittel und Weine aus Sardinien anbietet. Abends lädt das Ehepaar Susanne und Fausto Fadda zum Menü oder zu Weinverkostungen ein.

Sogar der italienschen Lebensmittelgroßhändler Vincenzo Andronaco in Hamburg-Bahrenfeld und Billbrock hat in seinen Läden ein Bistro integriert. Der Supermercato mit circa 5000 verschiedenen Artikeln beliefert rund 90 Prozent aller italienischen Wirte in Hamburg und auch der einfache Privatkunde darf dort einkaufen.

Weitere Geschäfte in Hamburg, in denen italienische Lebensmittel und Wein zum Verkauf und zur Verkostung angeboten werden, sind beispielsweise Herr Rossi, Tonis Café, Mercato Piazza, Paola Alimentari, Castel Cosimo und Va Bene.

Aber nun zurück zu Frau Poletto: In ihrem neuem Refugium kann der Gast alle Zutaten kaufen, mit denen in der offenen Küche gearbeitet wird. Von Meersalz, Gewürzen, Öl, Balsamico, Pasta, Schokolade, Kaffee, Wein, Käse über verschiedene Brotsorten bis hin zu Wurst-Spezialitäten und frischen Meerestieren ist alles da. Daneben soll Frau Poletto höchstpersönlich mit Rat und Tat bei Fragen dem Gast zur Seite stehen. Bei unserem Besuch war sie allerdings gerade nicht im Haus. 

Als wir in ihrem neuen Geschäft eintraten, sind uns gleich die mediterranen Fußbodenkacheln und die schokobraunen Weinregale aufgefallen. Repräsentativ sind ihre Kochbücher im Eingangsbereich ausgestellt. Das kleine Geschäft hat für circa 30 Gäste Platz und teilt sich in zwei Bereiche auf. Auf der linken Seite steht eine dunkle Holztheke mit sechs kleinen Tischen. Auf der rechten Seite steht nur ein großer Holztisch, umgeben von Feinkostregalen, Fisch-, Aufschnitt- und Käsetheke. Rückseitig steht ein kleines Holzregal, welches mit unterschiedlichen Brotsorten bestückt ist. Und dahinter ist die offene Küche angesiedelt.

Auf der Speisekarte stehen sieben Gerichte. Dazu gibt es eine ständig wechselnde Tageskarte. Frühstück wird ab 10 Uhr angeboten und die warme Küche beginnt ab 12 Uhr. Dazu kann sich der Gast ein Glas 0,1l Prosecco Poletto & Dellavecchia für 7 Euro (Mitnahmepreis pro Flasche 12,50 Euro) gönnen.

Morgens um 10:30 Uhr waren wir die ersten Gäste und durften uns einen Tisch auf der linken Seite aussuchen. Zum Frühstück standen belegte Brote, verschiedene Müsli-Sorten und ein Frühstücksteller zur Auswahl.

Wir haben folgende Entscheidung getroffen:

  • Tramezzini mit Strauchtomaten, Büffelmozzarella und Basilikum für 3,50 Euro 
  • Italiensches Frühstück mit Käse und ital. Mortadella, Salami und Schinken für 10,50 Euro
  • Cappuccino für 3,60 Euro
  • Latte Macchiato für 4,00 Euro
  • San Pellegrino Mineralwasser 0,75l für 5,80 Euro

Die kleine Käseauswahl mit Robiola, Bitto, Pecorino, Ziegenfrischkäse und süßem Feigensenf war sehr lecker. Das geschnittene Weißbrot auf dem Holzbrett allerdings war schon etwas älter. Die Kaffeespezialitäten haben uns auch geschmacklich nicht gerade vom Hocker gehauen, da mehr Latte als Macchiato in der Tasse war.

Die Servicemitarbeiter sind alle auf Zack und manche haben auch einen kleinen Schelm im Nacken. Als wir noch die einzigen Gäste im Geschäft waren, wurde kurz „Last Christmas“ angespielt und unsere Reaktion gemustert. Dagegen sind die Servicemitarbeiter noch nicht allumfassend über die Produkte informiert. So musste die sehr freundliche Servicedame erst mal in der Küche nachfragen, welche Käsesorten zum Frühstück serviert werden. Oder Fragen zum Roséwein Fritz Rosé Gunderloch aus Rheinhessen, blieben unbeantwortet, da auf dem Etikett wenig Informationen vorhanden sind. Andererseits ist es aber auch sehr angenehm, dass die Produkte den Gästen nicht aufgedrängt werden.

Außerdem ist auf die Diskretion der Servicemitarbeiter Verlass. Als ein Gast die Schlagzeile der ausliegenden Bild-Zeitung betrachtete und einen Servicemitarbeiter nach seiner Meinung fragte, ob es sich denn bei dem 70jährigen Fritz Wepper und seiner 34-jährigen Freundin Susanne Kellermann tatsächlich um Wahre Liebe handelt, war der Servicemitarbeiter im ersten Moment zwar verdutzt, hat es aber dann für durchaus möglich gehalten und sich auf keine weitere Diskussion zu diesem Thema eingelassen.

Der einzige Makel an Frau Polettos neuem Geschäft ist, dass es keinerlei Hinweise zur Entstehung der tierischen Produkten gibt und auch die Servicekräfte keine Auskunft zur Haltung und Fütterung oder zu den Herstellungsverfahren der Produkte geben konnten, kam ein unangenehmer Nachgeschmack auf. Seit Cornelia Poletto Werbung für die industriell gefertigte Fleisch-Produktserie „Herta Natürlicher Genuss“ macht, ist ihre Glaubwürdigkeit ramponiert. Dieses Produkt aus der Massentierhaltung wird mit fragwürdigen Inhaltsstoffen, wie beispielsweise dem Konservierungsstoff Natriumnitrit und Stabilisatoren Diphosphat und Triphosphat behandelt. Diese Stabilisatoren erhöhen das Wasserbindungsvermögen und verleihen dem Schinken eine höhere Schnittfestigkeit und optimieren seine Farbe. Was somit bleibt, ist ein gewisses Misstrauen gegenüber den hochpreisigen Waren.

Obwohl Frau Poletto gar nicht da war, hat sie uns zum Nachdenken angeregt. Wir haben noch lange über kulinarische Qualität und gesellschaftliche Verantwortung in der eigenen Küche und in den Gastronomiebetrieben diskutiert. Fazit ist, dass man als Konsument nicht nur prominenten Köchen oder Moderatoren vertrauen darf. Sondern lieber mutigen Menschen Aufmerksamkeit schenken sollte, die sich nicht in die finanzielle Abhängigkeit von mächtigen Lebensmittelkonzernen begeben, wie beispielsweise Foodwatch-Gründer Thilo Bode oder den Betreibern von peta, Greenpeace oder Slow Food in Hamburg. Außerdem sind die Bücher von Anthony Bourdain , das Buch In Teufelsküche von Jörg Zipprick und das Buch von Tiere essen von Jonathan Safran Foer zur Pflichtlektüre ernannt worden, auch wenn es hart wird!

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Also auf dem Trockenen muss in Lüneburg nun wirklich keiner sitzen. Die Stadt mit der höchsten Kneipendichte Deutschlands bietet für jeden Geschmack und jedes Bankkonto etwas an. Es gibt ungefähr 350 Gaststätten und die meisten davon befinden sich in der Altstadt. Und mittendrin liegt  das Wabnitz (Google Maps), dessen Erkennungszeichen das virtuos ausgeleuchtete Weinregal ist. Es dehnt sich insgesamt über drei Stockwerke aus. Die rund 200 Weine aus aller Welt  und 20 Whiskysorten  die das Regal beherbergt, sind mit einem zusätzlichen Korkgeld von 10 Euro pro Flasche gleich vor Ort zu öffnen und zu genießen. Daneben stehen 50 offene Weine zur Verfügung.

Besonders ansehnlich sind die Kunstmalereien der Lüneburger Altstadt, die an den Wänden hängen. Mit schlichter Eleganz und dennoch detailverliebt, lädt die gastfreundliche Location zu einem Glas Wein und kleinen Speisen ein. Außer sonntags beginnt der Tag im Wabnitz um 8:30 Uhr mit einem Winzerfrühstück, mittags geht es heiter weiter mit einem Mittagstisch und nachmittags werden die Gäste mit  Kaffee und Tee, Kuchen oder hausgemachten Waffeln verwöhnt. Auf der Karte stehen Gerichte wie beispielsweise Flammkuchen, gratinierter Ziegenkäse, Tapas oder italienische Käse- und Aufschnittspezialitäten. Und auch die fränkische Leberwurst nach Winzerart ist zu haben.

Das Wabnitz legt viel Wert auf eine regionale und nachhaltige Küche. So wird generell alles selbst zubereitet. Obst und Gemüse wird hauptsächlich beim Lüneburger Wochenmarkt eingekauft. Die Brote werden von der Bäckerei Harms geliefert und der Käse und die Wurstwaren werden direkt aus Italien importiert.

Als wir zu sechst am Samstagabend ins Wabnitz eintraten, waren sämtliche Tische im Erdgeschoss besetzt. Sofort kam eine sehr freundliche Dame auf uns zu und bot uns exklusiv die erste Etage an. Das Angebot hatten wir dankend angenommen. Nachdem wir uns unseren Tisch ausgesucht haben, zündete sie die Kerzen an und stellte eine sehr angenehme Hintergrundmusik an. Ihr Gesicht zeigte keine Zeichen der Empörung als wir nur 2 Flaschen Wasser bestellten. Nee, wir kamen nicht gerade vom Treffen der Anonymen Alkoholiker und wollten mal unsere Willenskraft testen. Wir waren schon vorab auf einer Veranstaltung mit reichlich guten Wein und wollten einfach noch eine Kleinigkeit essen. Unsere Wahl fiel auf:

  • Gratinierter Camembert mit Preiselbeeren & Brot für 5,50 €
  • Gratinierter Ziegenkäse mit Kastanienhonig, Walnüssen & Brot für 5,90 €
  • Gratinierter Schafskäse mit Olivenöl & Thymian, Oliven & Brot für 5,50 €

Danach hat uns die sehr nette Dame noch einen Flammkuchen mit Sauerrahm, Speck und Zwiebeln spendiert, „hat die Küche gerade über“ erzählte sie zu uns. Et Voilà, auch diese Küche beherrscht die Kunst aus einfachen und wenigen Zutaten ein unverwechselbares Geschmackserlebnis zu erschaffen.

Und als wir die nette Dame baten uns ein Taxi zu bestellen, da wir unbedingt den Film Brautalarm sehen müssen, bewahrte sie wieder Contenance. Auch als wir Caffè zum Schluss bestellten und eine von uns darauf hinwies, dass ihr Espresso ja aufs Haus geht, da sie ja Karteninhaberin von GiroPrivileg ist, bewies die nette Dame wieder Contenance. An dieser Stelle möchte ich noch darauf hinweisen, dass wir den Blog mit keinem Wort erwähnt haben.

Der „Hier will ich nie wieder weg“ Effekt stellte sich bei uns schon nach wenigen Minuten ein. Die trubelige Straßenszene der Schröderstraße gleicht der französischen Riviera und schafft eine besonders Urlaubsstimmung. Gerade im Sommer kann man wunderbar mit einem Glas Wein aus dem Bordeaux und einem Flammenkuchen Elsass draußen sitzen und die flanierenden Passenten an sich vorbeiziehen lassen.

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